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Die Minister der Militärregierung

 

 

Die Minister, offiziell „Deputy Commandant“, waren die Leiter der 1961 eingerichteten Britischen Militärregierung in Berlin, die als nachgeordnete Behörde des Alliierten Kontrollrats, die politischen und militärischen Geschicke für den Sektorenbereich in Berlin steuerten.

Beim Minister handelte es sich um keinen aktiven Militär, sondern grundsätzlich um einen Angehörigen des Diplomatischen Dienstes. Er unterstand direkt dem britischen Stadtkommandanten und war zugleich auch dessen Ständiger Vertreter. Der Kommandeur der Berliner Brigade war ihm nachgeordnet.

Am Vortag der Deutschen Einheit, am 2. Oktober 1990, wurde die Britische Militärregierung wieder aufgelöst.

Hier eine Aufstellung der Minister:

 

 

 

 

 

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Minister von 1961 bis 1962

Geoffrey L. McDermott CMG

* 1912 - 1978

 

 


 

           

Minister von Juli 1962 bis September 1964

A. G. R. Rouse CMG OBE

 

 

         

Minister von Oktober 1964 bis September 1966

Peter T. Hayman CMG CVO MBE

* 14.6.1914 - 9.4.1992

Der Diplomat Sir Peter Telford Hayman besuchte das bekannte College in Oxford und begann 1937 sein Berufsleben.

Ab 1939 war er in leitender Stelleung im britischen Innenministerium, u. a. als Referent des Staatssekretärs, tätig und diente während des Zweiten Weltkriegs zugleich bei den Streitkräften, zuletzt im Rang eines Majors.

1949 wurde er Assistent im Führungsstab des Verteidigungsministers, ab 1952 war er Mitglied der Britischen Delegation bei der NATO. Zwei Jahre später kehrte er an das Auswärtige Amt zurück und fungierte in wichtigen Beraterfunktionen.

Zwischen 1961 und 1964 war er Generaldirektor des Britischen Informationsdienstes in New York, ehe er im Oktober 1964 das Amt des Ministers der Militärregierung und stellvertrenden Stadtkommandanten in Berlin übernahm.

Ab 1966 war er Assistent des Unterstaatssekretärs im Auswärtigen Amt, bevor er 1969 zu dessen Stellvertreter befördert und bis 1970 für die Bereiche "Vereinte Nationen" und "Osteuropa" zuständig wurde.

Im Anschluss entsandte ihn die britische Regierung als Hochkommissar des Vereinigten Königreichs nach Kannada.

Offiziell trat Hayman 1974 in den Ruhestand, übernahm aber Berater-Posten. Die Tageszeitung "Guardian" publizierte 2014 jedoch, dass Hayman tatsächlich nicht Berater, sondern stellvertretender Leiter des britischen Geheimdienstes MI6 war.

Aufsehen erregte der Diplomat erneut im Oktober 1978, als ein Mann in einem Londoner Bus umfangreiches pädophiles Material vergessen hatte. Bei den ermittelten Personalien handelte es sich um einen Aliasnamen Haymans, dessen konspirativ angemietete Wohnung sodann durchsucht wurde. Auch hier wurde umfangreiches Material beschlagnahmt.

Zwar wurde der Diplomat verwarnt, jedoch ist keine Anklage erhoben worden. Nach der Enthüllung 1980 gab es ein Jahr später offene parlamentarische Anfragen durch Abgeordnete, die vor allem auf die Sicherheitssufe Haymans anspielten.

Peter Hayman wurde 1984 in einem anderen Verfahren mit sexuellem Hintergrund durch ein Gericht verurteilt. Premierministerin Margaret Thatcher schaltete sich persönlich in die "Causa Hayman" ein, dennoch war eine geforderte Verhaftung und eine weitere strafrechtliche Verfolgung nicht möglich, weil eine Steuerung durch ausländische Geheimdienste nicht ausgeschlossen werden konnte.

Erst im November 2014 recherchierte "DER SPIEGEL" einen Mann, der glaubhafte erklärte, von Hayman vergewaltigt worden zu sein.

Sir Peter Hayman, der von Königin Elizabeth II in den Adelsstand erhoben wurde, war seit 1942 verheiratet und hatte zwei Kinder. Er starb im April 1992 mit 77 Jahren.

 

         

Minister von Oktober 1966 bis März 1970

Raymond G. A. Etherington-Smith CMG

* 1.2.1914 - 14.7.2007

Raymond Gordon Anthony Ethering-Smith wuchs in Wien auf und war der Sohn des Diplomaten Thomas Basil Etherington-Smith. Er studierte Politik, Philosophie und Wirtschaft und sprach neben seiner Heimatsprache auch fließend Deutsch, Französisch und Russisch.

1936 trat er in den Diplomatischen Dienst ein und war zunächst im Außenamt in London tätig, ehe er 1939 an die Britische Botschaft nach Berlin versetzt wurde. Sein dortiger Einsatz dauerte jedoch nicht lange an, da es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit einem NS-Funktionär kam, infolge dessen Etherington-Smith seitens der deutschen Regierung zur "unerwünschten Person" erklärt wurde und schließlich durch London abberufen wurde.

Unmittelbar nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde der Diplomat an die Britische Botschaft in Kopenhagen versetzt. Bereits 1940 wechselte er wieder in das Außenministerium nach London, ehe er im selben Jahr an die Britische Botschaft nach Washington versetzt wurde.

1943, nach einer erneuten Station in Lodnon, folgte seine Berufung als Mitglied der Britischen Delegation beim chinesischen General Chiang Kai-shek, was ihm zugleich die Beförderung zum Sekretär Ersten Grades.

Im März 1946 wurde Etherington-Smith Generalkonsul in der chinesischen Provinz Kashgar. Ein Jahr später war er kurze Zeit in Moskau und dann wieder in London eingesetzt.

1952 war Etherington-Smith bei der Britischen Botschaft im Vatikan, und ab Oktober 1954 als Erster Sekretär seiner Botschaft in Saigon tätig.

Nach einer Verwendung ab Oktober 1958 als Botschaftskanzler in den Niederlanden, wechselte er im März 1961 ebenfalls als Kanzler an die Botschaft in Singapur.

Von 1963 bis 1966 war Etherington-Smith Sonder-Botschafter in Südvietnam. Seine Amtszeit war von schweren Unruhen des Landes geprägt. So bot er dem südvienamesischen Präsidenten auch Unterschlupf in der Botschaft und organisierte die Ausbildung dortiger Polizisten durch britische Beamte.

Im Oktober 1966 wurde er Minister der Militärregierung und stellvertretender britischer Stadtkommandant in Berlin. Hierbei kamen ihm besonders seine russischen Sprachkenntnisse zuhilfe.

1970 wurde Etherington-Smith zum neuen Botschafter im Sudan berufen. Nur drei Jahre später, im März 1973, entging er nur knapp einem Anschlag. Terroristen der Gruppe "Schwarzer September" hatten bei einem Empfang in der saudischen Botschaft mehrere Diplomaten als Geiseln genommen. Durch die Terroristen war auch geplant, Etherington-Smith in ihre Gewalt zu bringen, der durch Zufall den Empfang nur wenigen Minuten zuvor verlassen hatte.

Nachdem die Forderungen der Terroristen nicht erfüllt wurden, erschossen diese einen belgischen und einen US-amerikanischen Diplomaten.

1973 trat Etherington-Smith in den Ruhestand und verbrachte seinen Lebensabend in Wiltshire. Einen Namen machte er sich auch als Autor mehrerer Werke.

Raymond Etherington-Smith, der mehrfach durch Königin Elizabeth II ausgezeichnet wurde, war verheiratet und Vater von drei Kindern.

Er starb im April 2007 mit 93 Jahren.

 

         

Minister von April 1970 bis Dezember 1973

John C. W. Bushell CMG

* 1919 - 1995

         

Minister von Januar 1974 bis Mai 1977

John H. Lambert CMG

* 8.1.1921 - 6.7.2015

John Henry Lambert, Jahrgang 1921, durchlief zunächst eine Schulausbildung an den Eliteeinrichtungen in Eton und Cambridge, ehe er zunächst eine Militärlaufbahn einschlug. Der Zufall wollte es, dass er als junger Nachrichtenoffizier der Grenadier Guards Zeitzeuge des historischen Niedergangs des bekannten Afrika-Feldzuges Erwin Rommels war und die Kapitulation der deutschen und italienischen Truppen miterlebte.

Sein Weg führte ihn auch in die tunesische Hauptstadt Tunis, wo ihm wegen Verhandlungen mit dem dortigen Innenminister, erste diplomatische Geschicke abverlangt wurden. Zu diesem Zeitpunkt konnte Lambert nicht wissen, dass ihn sein Weg 34 Jahre später erneut nach Tunis führen soll.

Von Tunesien aus wurde Lamberts Bataillon im Februar 1944 nach Italien verlegt. Dort befehligte er als junger Hauptmann eine Einheit während der sogenannten Zehn-Tage-Schlacht um Cerasola, die hoch über der Schneefallgrenze ausgetragen und somit zu einer der schwierigsten soldatischen Herausforderung wurde.

Lambert als junger Offizier (Quelle: THE TELEGRAPH)

Das Bataillon Lamberts war an der Einnahme Perugias im Juni 1944 beteiligt und eines der ersten, das sich über den italienischen Po nach Norden kämpfte. Die Geschichte wollte es, dass Lamberts Einheit den Krieg in Südösterreich beendete, wo Titos Partisanen nach Kärnten gezogen waren und über die jugoslawische Grenze zurückgedrängt wurden.

Ende 1945 trat Lambert dem diplomatischen Dienst bei und erhielt seinen ersten Einsatz an der britischen Botschaft in Den Haag. In diese Zeit fiel auch der Beginn einer langjährigen Freundschaft mit der bis dahin unbekannten Tänzerin Audrey Hepburn.

Es schlossen sich zahlreiche Verwendungen in ausländischen Vertretungen, aber auch in London an. Zuzeiten des Ausbruchs der ungarischen Revolution 1956, diente Lambert an der Botschaft in Belgrad. Jene Tage wurden als Tiefpunkt der diplomatischen Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Großbritannien bewertet, da der ungarische Revolutionsführer Imre Nagy, trotz Zusicherung der Sowjets, verhaftet und einem Schauprozess zugeführt wurde.

Großbritannien befand sich inmitten von Konflikten in Jugoslawien, Ungarn und auch in Suez, was einer diplomatischen Herausforderung ersten Ranges glich, in der sich auch John Lambert befand.

Im Januar 1974 wurde Lambert zum Minister und stellvertretenden Stadtkommandanten in Berlin und somit zum hochrangigsten Diplomaten der Briten ernannt. Er war der sechste Amtsinhaber, des 1961 geschaffenen Postens.

Trotz des Viermächte-Übereinkommens von 1972 und des Grundvertrags von 1973, befand sich vor allem Berlin inmitten des Kalten Krieges. Die Sowjets und die DDR-Machthaber taten alles, um den Alliierten das Leben zu erschweren. Lambert war unmittelbar als Spitzendiplomat an den täglichen Verhandlungen beteiligt, einschließlich der Bewertung hinsichtlich der Behandlung des im Spandau Kriegsverbrechergefängnis inhaftierten ehemaligen Hitler-Stellvertreters Rudolf Hess.

Im Mai 1977 wurde Lambert wieder abberufen und zum neuen Botschafter Großbritanniens in Tunesien ernannt - in jenes Land, in dem er bereits mehrere Jahrzehnte zuvor wirkte. Auch dieser neue Posten erforderte dessen diplomatisches Geschick, da der gerade stabilisierte Staat unfreiwillig in den arabisch-israelischen-Konflikt hineingezogen wurde. Tunis entwickelte sich daher zunehmend als wichtiger Standort für diplomatische Nahost-Verhandlungen. 1981 endete nicht nur seine Amtszeit als Botschafter, sondern mit dem Eintritt in den Ruhestand auch sein aktives Berufsleben.

Als Pensionär übernahm er die Stellugn des Direktors des Heritage of London Trust, eine Wohltätigkeitsgesellschaft, die sich zahlreicher sozialer Projekte annahm. Er blieb dort bis zu seinem Tod in verantwortlicher Position.

Lambert war sportbegeistert und Liebhaber von Opern sowie tiefe christlichen Glaubens. 1980 wurde er durch Königin Elizabeth II in den Adelsstand erhoben und während seiner gesamte Laufbahn mit zahlreichen weiteren Auszeichnungen geehrt. Seit 1950 war er mit seiner Frau Jennifer verheiratet, die 2013 verstarb. Beide hatten zwei Söhne und eine Tochter.

Sir John Henry Lambert starb im Juli 2015 mit 94 Jahren. Er hat somit das bisher höchste Lebensalter aller Minister der britischen Militärregierung erreicht.

 

         

Minister von Juni 1977 bis Februar 1983

Francis R. McGinnis

* 1924 - 1993

           

Minister von März 1983 bis Oktober 1985

D. J. Wyatt CBE

 

           

Minister von November 1985 bis Oktober 1990

Michael St. E. Burton CBE CVO

* 18.10.1937

Der Diplomat Sir Michael St. Edmund Burton studierte in Surrey und diente von 1955 bis 1957 als Leutnant bei den Britischen Streitkräften.

1960 begann er seine Laufbahn im Diplomatischen Dienst und absolvierte zunächst weitere Studiengänge in Frankreich. Zwei Jahre später übernahm er ein Amt als Beauftragter und Laienrichter in Dubai, ehe er 1964 zur "Abteilung Ost" des Außenamtes wechselte.

Zwischen 1964 und 1967 war er Referent des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes. Im Anschluss diente er bis 1969 als Diplomat im Sudan, zum Schluss als Botschaftssekretär Erster Klasse. In seine Zeit fiel auch der Militärputsch und der Sechstagekrieg im Sudan, was auch zu Vorwürfen einer Putsch-Beteiligung der Royal Air Force und letztlich zum kurzzeitigen Abzug des britischen Botschafters führte. Als "British Interests" wich das Personal übergangsweise als Abteilung in die Botschaft Italiens aus.

Als Burton ankündigte, eine aus der Tschechoslowakei stammende Frau heiraten zu wollen, bedurfte es der persönlichen Genehmigung des Außenministers, mit dem er zwei Gespräche führte. Letztlich wurde die Eheschließung erlaubt, allerdings wurde die Sicherheitsstufe Burtons herabgesetzt.

1972 wurde Burton in die Wissenschaftsabteilung des Auwärtigen Amtes nach London versetzt, 1979 wurde er Leiter der Abteilung "Maritime Angelegenheiten, Luftfahrt und Umwelt" und ab 1981 führte er für drei Jahre die Abteilung "Südostasien".

Zwischen 1984 und 1985 war er Chef der Revisionsabteilung von "British Patrol".

Das Auswärtige Amt übertrug ihm 1985 das Amt des Ministers der Militärregierung in Berlin, was ihn automatisch zum stellvertretenden Stadtkommandanten machte. In seine Amtszeit fiel auch die Zeit des Mauerfalls, in der abermals sein großes diplomatisches Geschick von großem Nutzen war. Burton war bis zur Wiedervereinigung Deutschlands der zugleich letzte Amtsinhaber auf diesem Posten.

Burton blieb jedoch in Berlin und übernahm ab 1990 für zwei Jahre das neue Amt des Leiters der Außenstelle der Britischen Botschaft.

1994 ernannte ihn Premierminister John Major zum Botschafter in der Tschechischen Republik. Aus diesem Amt schied er 1997 aus und trat in den Ruhestand.

Sir Michael Burton wurde mehrfach durch Königin Elizabeth II ausgezeichnet und 1992 in den Adelsstand erhoben.

 

 

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Stand: 20. Juli 2017

Bildmaterial: ©Landesesarchiv (wenn nicht anders bezeiechnet)

Inhalt und Gestaltung: ©Schanz

 

 

Die Kameradschaft 248 German Security Unit e. V. ist seit August 2013 Vollmitglied der Royal Military Police Association und der einzige Verein, der seitens der britischen Militärpolizei als Repräsentant der ehemaligen German Security Unit und für deren geschichtliche Darstellung anerkannt wird.