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Unsere Geschichte: Die 1950er Jahre

 

Die schweren Anfänge

 

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Die historischen Wurzeln der German Security Unit sind bereits auf das Jahr 1944 zurückzuführen, als sich die späteren Siegermächte mit der Frage beschäftigten, in welcher Form Organisationen aufzustellen wären, um die Besatzungstruppen nach einem möglichen Kriegsende zu unterstützen.

Der ausgeklügelte Plan der legendären „Operation Eclipse“ sah vor, die bestehenden deutschen Streitkräfte zwar zu entwaffnen, jedoch nicht gänzlich aufzulösen. Vielmehr wollte man ihnen Einrichtungen zuweisen und sich selbst verwalten und versorgen lassen. Überliefert ist auch, dass vor allem die britische Regierung gegen eine zu schnelle Auflösung der deutschen Wehrmacht war, weil Winston Churchill einen sich anschließenden Krieg mit der Sowjetunion befürchtete und „seine“ Deutschen auch als Verstärkung in Erwägung zog. Hierin ist auch begründet, weshalb die Wehrmacht letztlich erst Ende 1945 offiziell aufgelöst wurde.

Nach dem Kriegsende wurden im Juli 1945 in der britischen Zone des in Sektoren aufgeteilten Deutschlands Arbeitskompanien gegründet. Es ging nicht nur um die Aufrechterhaltung von Disziplin und Ordnung, sondern vielmehr um die Wiederherstellung und Sicherung des öffentlichen Lebens. Hierbei wollte man zwingend auf die militärisch organisierten ehemaligen Wehrmachtsangehörigen zurückgreifen.

 

Kriegsgefangene und Minenräumer: Der lange Weg der GSO

 

Von Hamburg aus organisiert und geführt, wurde am 1. Oktober 1945 der heute noch bekannte Labour Service, frei übersetzt: „Arbeitsdienst“, aufgestellt, dem Anfang 1946 etwa 140.000 deutsche Gefangene angehörten. Eine ihrer legendärsten und gefährlichsten Aufgaben bestand in der Räumung der unzähligen Seeminen. Hierzu wurden Teile der Einheiten im damaligen Deutschen Minenräumdienst (DMRD) zusammengefasst. Erst 1947 wurden so genannte „Alliierte Dienstgruppen“ gebildet, aus der im britischen Sektor Deutschlands und Berlins, die Arbeitsorganisation German Civil Labour Organisation (GCLO) hervorging und im Sommer 1947 ihren Dienstbetrieb aufnahm.

1950 wurde die GCLO schließlich in German Service Organisation (GSO) umbenannt, die zum damaligen Zeitpunkt bis zu 60.000 Angehörige aufwies.

Einer besonderen historischen Bedeutung wurde den Dienstgruppen, somit auch der German Service Organisation, im Zusammenhang mit der Gründung der Bundeswehr zuteil. Im Blickpunkt standen nicht nur die geordnete Auflösung der Wehrmacht und die Wiederherstellung des öffentlichen Lebens und der Infrastruktur, sondern auch die Frage der Wiederbewaffnung Deutschlands, denn bereits 1947 sahen die westlichen Siegermächte eine stetig wachsende Bedrohung durch die Sowjetunion.

1950 stellten die neu eingerichteten Dienstgruppen zwar keine eigenen Truppen im militärischen und politischen Sinne dar, jedoch leisteten sie von Beginn an einen erheblichen Beitrag zur Einsatzfähigkeit der alliierten Streitkräfte. Die inzwischen etwa 140.000 Männer der Dienstgruppen, sollten demnach auf 200.000 Mann aufgestockt werden, wobei sich alle Beteiligten darüber einig waren, dass nur ein Bruchteil auch „verteidigungstauglich“ war. Hinzu kam, dass viele der damaligen Angehörigen möglicherweise unter kommunistischer Beeinflussung standen.

Im Unterschied zu den anderen Siegermächten, konzentrierten die Briten die Aufgaben der GSO vornehmlich auf die Unterstützung der eigenen Streitkräfte. Insgesamt betrachtete man die Entwicklung der deutschen Dienstgruppen auch politisch sehr skeptisch. Mit Aufbau der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft im Jahre 1951, sah man in den Dienstgruppen eine Art Beitrag für den V-Fall. Die deutsche Bundesregierung drängte auf eine statusrechtliche Lösung, denn im Kriegsfall wären die Dienstgruppen innerhalb der alliierten Streitkräfte eingesetzt worden. Somit drohte auch die Frage der Souveränität der jungen Bundesrepublik nahezu daran zu scheitern, dass die Alliierten selbst, „deutsche Streitkräfte“ aufstellen würden, ohne die Bundesregierung mit einzubeziehen. Für Bundeskanzler Konrad Adenauer ein undenkbarer Vorgang.

Mit dem Beitritt zur NATO, erfolgte ab dem 12. November 1955 die Einberufung der ersten Soldaten in die neu aufgestellte Bundeswehr. Ein geschlossener Vertrag regelte zudem, dass die deutschen Dienstgruppen bis zum 7. Mai 1957 aufzulösen wären. Verbleiben durften nur wenige ausländische Dienstgruppen oder zivile deutsche Arbeitseinheiten. Die Überlegung, komplette Dienstgruppen in die Bundeswehr zu übernehmen, wurde fallen gelassen. Jeder Bewerber sollte individuell seine Eignung für den Militärdienst vorweisen. Dies hatte auch zur Folge, dass viele ehemalige Ungediente ihren Dienst bei der Bundeswehr verweigerten, weil jene im niedrigsten Dienstgrad eingestuft und Ränge innerhalb der GSO grundsätzlich nicht anerkannt wurden.

Soweit der „politische Ausflug“, der unbestritten mit zur Geschichte der späteren German Security Unit gehört. Nach Neuformierung der einstigen GCLO und Umbenennung in GSO im Jahr 1950, war es auch erklärtes Vorhaben der britischen Militärregierung, eine uniformierte und bewaffnete Wachmannschaft aufzustellen, die zunächst für die Sicherung und den Schutz der britischen Liegenschaften eingesetzt werden sollte. Dies hatte den klassischen Vorteil, die eigenen Soldaten der Berlin Brigade, die damals noch Area Troops Berlin hieß, für diesen Bereich nicht einsetzen zu müssen.

 

 Herbst 1950: Die GSO wird aufgestellt!

         

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"Vollzugsmeldung" über die Aufstellung der GSO Berlin (WS)

 

Die Geburtsstunde unserer Einheit war gekommen: Per Befehl wurde ab dem 1. September 1950 eine 350-Mann-starke Einheit aufgestellt, die zunächst den Namen „German Service Organisation Berlin (Watchman Service)“ führte. Mit dem Zusatz „Watchman Service“ sollte die Abgrenzung zum restlichen Teil der GSO Berlin hervorgehoben werden. Bemerkenswert ist, dass es tatsächlich unterschiedliche Schreibvarianten bei den britischen Behörden und der Einheit selbst gab. So tauchen offizielle Urkunden und Dokumente mit der klassischen Singularvariante Watchman Service, aber auch in den Pluralformen Watchmens Service oder Watchmen´s Service auf. Grundsätzlich wurde der Namensbestandteil aber im Schriftverkehr mit dem schlichten in Klammern gesetzten Zusatz "W. S." abgekürzt.

Dieser Zusatz war auch an den ersten Uniformen angebracht, der offiziell erst 1968 mit der Umbenennung und Aufwertung der Einheit entfiel. Intern und auf den Uniformen wurde jedoch bereits zu einem früheren Zeitraum auf den Zusatz verzichtet, da die regulären GSO-Einheiten bereits aufgelöst wurden und eine nach außen sichtbare Hervorhebung nicht mehr notwendig war. Ein im Bundesgebiet bestehendes Pendant der bisherigen GSO, setzte sich aus ehemaligen Polen, Rumänen, Russen und anderen Staatenlosen zusammen und führte daher den Namen Mixed Service Organisation (MSO).

  
 

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 Ausbildungslehrgang aus den Jahr 1951

 

Ebenfalls problemlos gestaltete sich die Frage der Unterkunft der neuen Einheit. In den kühlen Novembertagen bezogen die ersten Männer den so genannten "Gordon-Block" (Block 14) und den "Kitcheners Block" (Block 34) der Spandauer Smuts-Kaserne. Die durch die Briten nach dem früheren südafrikanischen Premierminister und einstigen Feldmarschall Jan Christiaan Smuts benannte Liegenschaft, wurde zwischen 1883 und 1886 für kaiserliche Truppen erbaut und gehört heute noch zu den am besten erhaltenen Kasernengeländen in Berlin. Während des Zweiten Weltkriegs waren dort Pioniere untergebracht. Der Block 34, der die 2. Kompanie beherbergt und später  Hauptquartier der GSO wurde, diente in den letzten Kriegsjahren als Hilfslazarett.

Außerdem bezog die GSO weitere Räumlichkeiten in einem seit der 1970er Jahre nicht mehr existierenden Gebäude. In der Nähe des späteren "Smuts Hilton" waren die provisorische Küche sowe einige Lagerräume untergebracht. In den Anfängen der 1950er Jahre, mussten Angehörige der beiden Kompanien im Wechsel zum Kartoffelschälen in der Küche antreten, die damals noch mit Koks und Holz beheizt wurde.

In den späteren Jahren war in dem Gebäude u. a. eine Kegelbahn untergebracht, die von den GSO-Angehörigen genutzt wurde.

 

 

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  Angehörige der 1. Kompanie vor Block 14

 

Die neue Einheit wurde mit ihrer Aufstellung auch erstmals einem britischen Regiment zugeordnet. Mit der Anbindung an das East Surrey Regiment, einer 1881 gegründeten königlichen Infanterie-Einheit, erhielt der britische Major A. K. Steel das erste Kommando als Regiments-Chef über die neue GSO Berlin. Steel verfügte eigens für die GSO über einen "kleinen Stab", der ebenfalls in den neuen Unterkünften seinen Dienst aufnahm. Zu diesem Stab gehörten ein Warrant Officer Class 2, ein Company Quartier Master Sergeant (Quartiermeister) sowie zwei Sergeants als Ausbilder, die die ersten Ausbildungslehrgänge auch in englischer Sprache und mit britischen Kommandos durchführten.

Die Identität zum Regiment stand verständlicher Weise zu jener Zeit kaum im Vordergrund der jungen Männer, die nun in gesicherten Arbeitsverhältnissen einen Neustart nach den schrecklichen Kriegserlebnissen anstrebten. Bis zur Auflösung der Einheit sollten noch viele Regimenter folgen, denen die GSO zugeschlagen wurde, auch wenn sie militärisch betrachtet, stets zur Infanterie hätte gehören müssen. Das East Surrey Regiment, dem die beiden GSO-Kompanien bis Ende 1952 angehörten, wurde 1959 aufgelöst und fusionierte mit den West Surreys zum neuen Royal Surrey Regiment.

Offiziell nahm die GSO, deren verliehener Wahlspruch „Mut und Wachsamkeit“ war, ihren Dienst am 1. Dezember 1950 auf. Als Bewerber wurden ausschließlich deutsche Staatsangehörige zugelassen, die für sechs Wochen in der Spandauer Smuts-Kaserne zur Grundausbildung kaserniert wurden. Von den „Männern der ersten Stunde“ –zumeist ehemalige Wehrmachtsangehörige- haben sich allerdings viele nicht beworben, denn die meisten wurden zu jener Zeit in die neue Truppe mit Befehl eingezogen und für mindestens ein Jahr verpflichtet.

Dieser Zwang stand zunächst in Widerspruch zu den schriftlichen Anstellungsbedingungen der Deutschen Dienst-Organisationen (DDO), wie die verschiedenen Einheiten bei den alliierten Streitkräften zunächst umfassend benannt wurden. Hierin waren nämlich die Angehörigen dem Prinzip der Freiwilligkeit unterstellt und dienten eigentlich auch in zivilen und nicht in militärischen Einheiten (geregelt in Anhang G, Teil I ADMIN Instructions BTB).

Grundsätzlich waren die Anstellungsbedingungen aber den deutschen Zusatzbemerkungen in Arbeitsverträgen durchaus vergleichbar. Geregelt wurden nicht nur die üblichen zwei Urlaubstage pro Dienstmonat sowie eine dreimonatige Probezeit, sondern natürlich auch die unentgeltliche Stellung von Uniformen und Ausrüstungsgegenständen. Hervorzuheben bleibt aber die klare Darlegung, dass die eingestellten GSO-Männer nicht nur der britischen Gerichts-, bzw. Strafbarkeit unterstellt waren, sondern auch weiterhin parellel der deutschen.

Die neuen Guards wurden auf Wunsch vollverpflegt und hatten auch nach Beendigung der Kasernierung, die Möglichkeit weiterhin in einer Unterkunft auf Smuts Barracks zu wohnen, was zu einem wöchentlichen Abzug von 3,75 DM führte. Im Gegenzug wurden aber auch Aufwandsentschädigungen bei Teilnahmen an Übungen von 2,- DM pro Tag gezahlt und die Verpflegungsabzüge für diesen Zeitraum komplett ausgesetzt.

Entschieden sich GSO-Angehörige nach dem Ende der Ausbildung und Kasernierung, ihren Wohnsitz außerhalb der Kaserne zu nehmen, musste dies durch eine vorgeordnete Stelle genehmigt werden. Einem solchen Antrag wurde auch grundsätzlich entsprochen, allerdings nur unter Maßgabe, dass sich der neue Wohnsitz im britischen Sektor befindet. In wenigen Ausnahmefällen wurden in der Anfangszeit auch Wohnsitze im amerikanischen oder im französischen Sektor zugelassen.

Die GSO erhielt ein den britischen Streitkräften vergleichbares Rangsystem. Jedoch wurden abweichende Bezeichnungen eingeführt, die sich eher an den britischen Polizeidienstgraden orientierten und eine Unterscheidung zu den Soldaten aufzeigen sollte. Nur wenige Jahre nach dem Kriegsende vermochte man Deutsche nicht so schnell in Uniformen und klassischen Militärdienstgraden verhelfen. Der damalige Zeitgeist ließ es nicht zu, dennoch wurden damals bereits klare Weichen gestellt.

So wirkten auch die damaligen neuen Dienstgradbezeichnungen der jungen Truppe noch sehr abenteuerlich. Tatsächlich waren diese aber oft an die Funktionsbezeichnungen des früheren Reichsarbeitsdienstes angelehnt. In der Rolle des Rekruten wurden die Männer zu Beginn der Grundausbildung als Tradesman II eingestellt und nach erfolgreichem Abschluss zum Tradesman I befördert. Der übersetzte Begriff Tradesman nimmt genauso einen historischen Bezug zum "Arbeitsmann" des Reichsarbeitsdienstes wie der Dienstgrad des Foreman, der sich von dem des Vormann des Reichsarbeitsdienstes ableitete und übersetzt soviel bedeutete wie Vorarbeiter.

Die Bezahlung lag zur damaligen Zeit etwa beim Niveau des öffentlichen Dienstes. Ein unverheirateter Mann erhielt im Oktober 1955 im Rang eines dem Tradesman I folgenden Chargehand 305,- DM, wobei vergleichbar ein verheirateter und verbeamteter Berliner Feuerwehrmann 1960 knapp 400,- DM verdiente. 

Eine umfangreiche Aufstellung der Uniformen, Dienstgrade und Rangabzeichen sowie anderer Applikationen der GSO finden Sie demnächst hier (Verlinkung folgt!).

Höchst abenteuerlich wirkte auch die erste Dienstbekleidung der neuen Truppe, die sogenannte Battledress Uniform, die vornehmlich aus eingefärbter britischer Militärkleidung bestand. Erst Jahre später, erhielt die GSO ihre eigene, preußisch geprägte Dienstbekleidung. Besonders auffällig war, neben den damals typischen Gamschen, die Kopfbedeckung: Die Feldmütze und das später eingeführte Barett, gab es am Anfang noch nicht und so wurden die Männer zunächst bis Mitte 1951 mit australischen Buschhüten (Australien Style) ausgestattet.

Erst in den 1960er Jahren hatte man modernere Winter- und Sommeruniformen eingeführt.

        

 

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Tradesman Gerhard Franzke (li) mit seinem Bruder Heinz

 

Die erste Führung: Major Steel und Chief Meiners

 

Zur Gründungszeit (bis 1955) bestand die GSO aus zwei Kompanien. Geführt wurde die Einheit von einer Art „Doppelspitze“. Der Rang des Chief Superintendent war damals der höchste Dienstgrad, den es bei der GSO gab und vergleichbar mit einem Hauptmann, bzw. dem eines Captain. Nach welchen Parametern die ersten Offiziere eingesetzt wurden, ist nicht überliefert. Chief Superintendent Meiners war Chef der 1. Kompanie und zugleich der erste Einheitsführer der GSO überhaupt. Allerdings verfügte er, wegen britischer Vorbehalte, damals noch über keine eigene Kommandogewalt. Ihm zur Seite stand Assistent Superintendent Nagel als Spieß. Beide Kompanien waren in jeweils vier Züge aufgeteilt. Als Zugführer der 1. Kompanie waren die Superintendenten Gohl, Weichselbaumer, Baginski und Töwe eingesetzt.

Chef der 2. Kompanie war Chief Superintendent Werner Heise, ein ehemaliger Hauptmann der Wehrmacht, der zugleich Vertreter des Einheitsführers war. Der Name seines Spießes ist leider nicht überliefert. Ihm zur Seite standen seine vier Zugführer, von denen nur noch die Superintendenten Anklam und Grätz bekannt sind.

       

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 Chief Superintendent Werner Heise

 

Wie viele andere GSO-Offiziere auch, verließ Heise 1955 die Einheit und wechselte in die neu aufgestellte Bundeswehr. Der ehemalige Kompanie-Chef besuchte aber noch regelmäßig seine früheren Kameraden auf dem Gelände der Smuts-Kaserne. Mit Erreichen der vorgeschriebenen Altersgrenze, wurde Heise als Bundeswehr-Oberst in den Ruhestand versetzt.

Bei der GSO wechselten sich im wöchentlichen Rhythmus die beiden Kompanien, die auch jeweils mit einer Stabsabteilung ausgestattet waren, im Wachdienst ab. Während die eine Kompanie die Wachen besetzte, durchlief die andere ihre Ausbildungs- und Schulungswoche in der Kaserne. Aus heutiger Sicht bemerkenswert war, dass damals noch alle Befehle und Kommandos strikt in englischer Sprache erfolgten. Grund hierfür war sicherlich auch, dass es sich bei den ersten Ausbildern um britische Soldaten gehandelt hatte.

Die GSO-Angehörigen wurden mit der damals typischen britischen Langwaffe, dem Ordonanzgewehr der Marke Lee-Enfield ausgestattet. Zu den ersten Schutzobjekten gehörten ab Mitte Januar 1951 verschiedene Sprit- und Kohlelager (POL Depot), Munitionsdepots und das zentrale Versorgungslager Supply Depot.

Als erstes Prestigeobjekt übernahm die Einheit kurze Zeit später das britische Hauptquartier am Olympiastadion mit dem Ost- und dem Westtor. Im HQ-Bereich ergaben sich in den 1960er Jahren maßgebliche Veränderungen, die auch Einfluss auf die Wachbesetzungen durch die GSO hatten. Ebenfalls in den 1950er Jahren wurden Alexander Barracks und kurze Zeit später der Bereich von REME (Royal Electrical and Mechanical Engineers) übernommen und somit die zweite große britische Kaserne unter GSO-Schutz gestellt.

In den weiteren Jahren der 50er wurden ebenfalls das in der Radelandstraße befindliche Militärkrankenhaus BMH und die damaligen Charlottenburger Panzerhallen als Wachobjekte übernommen. Auch BIB Charlottenburg, eine am Steubenplatz gelegene Wohnsiedlung britischer Unteroffiziere und Offiziere, erhielt Schutz durch die GSO und wurde mit einem Guard Commander und zwei Posten ständig besetzt.

Eine Auflistung der Wachobjekte finden Sie demnächst hier (Verlinkung folgt!).

Wie jede militärische Einheit, hatte auch die GSO einen eigenen Quartiermeister, kurz „QM“ genannt. Auf dieser sehr wichtigen Position saßen im Laufe der Zeit insgesamt sechs Männer. Bei Gründung der Einheit wurde die Stelle noch durch einen britischen Unteroffizier, Staff Sergeant Harold Spencer besetzt, der zum ersten Stab von Major Steel gehörte. Ihm folgte in den 1950er Jahren Rudolf Unrat.

 

1952: Wechsel an der Spitze: Staff Gohl übernimmt die GSO Berlin

 

Ende 1952 deutete alles auf ein Regiments- und somit auch ein Kommandowechsel bei der GSO. Anfang 1953 wurde die Einheit dann tatsächlich dem Light Infantry Regiment zugeschlagen und dem Kommando des britischen Majors E. Collard unterstellt. Etwa zum selben Zeitpunkt schied auch der erste Einheitsführer Chief Superintendent A. Meiners aus dem aktiven Dienst aus. Dem neuen britischen Befehlshaber wurde nun erstmals ein Deutscher als GSO-Einheitsführer zur Seite gestellt, der diese nun –fast autonom- als „Officer in Command“ leiten durfte:

Johannes Gohl, der bisherige Zugführer des 1. Zuges der 1. Kompanie, wurde neuer Chef der German Service Organisation (WS). Und noch etwas war neu: Aufgrund der Personalstärke der Einheit, wurde Gohl zum Staff Superintendent befördert. Ein Dienstgrad, den es bislang in Berlin nicht gab. Lediglich bei personalstärkeren Schwestereinheiten im Bundesgebiet, gab es bereits einen Staff Superintendent, der einem Major gleichgesetzt war. Somit hatte Gohl auch seinen alten Rang wieder erreicht, denn er verließ mit Kriegsende die Wehrmacht ebenfalls als Major.

 

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 Staff Superintendent Johannes Gohl

 

Johannes Hubertus Gohl wurde im August 1908 im brandenburgischen Lipke geboren, das damals zum Landkreis Landsberg (Warthe) gehörte. Als Jugendlicher zog er später mit seiner Mutter nach Berlin, wo er aufwuchs und nach seiner Schulzeit eine Lehre als Kaufmann begann.

1927 verpflichtete er sich beim damaligen 100.000-Mann-Heer und blieb auch Soldat, als die Reichswehr in die Wehrmacht überging. Nach Fortbildungen zum Gruppen- und Zugführer, nahm Gohl 1939 am sogenannten "Polen-Feldzug" teil und erhielt schließlich im Juli 1940 als Leutnant das Offizierspatent.

Ab 1942 war er als Kompaniechef in Jugoslawien eingesetzt und in direkte Kämpfe gegen Tito-Getreue eingebunden. Im selben Jahr wurde Gohl Bataillonskommandeur und mit seiner Einheit nach Italien verlegt, wo er gegen US-amerikanische und britische Truppen kämpfte und schließlich die begehrte "Höhe 327" bei Sagliano am Rubikon für die Wehrmacht zurückeroberte. Bereits zu diesem Zeitpunkt war der spätere GSO-Chef ein hochdekorierter Offizier. Hierüber berichtete der GUARD REPORT in seiner Ausgabe von Januar 2017 ausführlich.

Über Gohls Vorgänger Meiners gibt es leider keine Erkenntnisse mehr. Wir sind derzeit bemüht, mehr Hintergrundwissen über unseren ersten Einheitsführer in Erfahrung zu bringen. Es ist leider auch nicht überliefert, wer die 1. Kompanie nach dem Wechsel von Johannes Gohl an die Einheitsspitze, übernommen und weiter geführt hat.

Damals wie auch aus heutiger Sicht, wurde der Chef der Einheit gerne als „Kommandeur“ bezeichnet. Dies ist, auch im Hinblick auf feste Befehlsstrukturen, eigentlich eine unzutreffende Bezeichnung gewesen. Die GSO, später auch die GSU, waren als Kompanien stets einem festen Regiment zugeordnet und dem jeweiligen Regiments-Chef unterstellt, der somit auch automatisch Kommandeur und Befehlshaber der GSO war. Und so kam es, dass die GSO, die im militärischen Sinne eigentlich zur Infanterie gehörte, den unterschiedlichsten Organisationen angegliedert und alleine in den 1950er Jahren vier verschiedenen britischen Einheiten und Offizieren unterstellt war.

 

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 Erste Weihnachtsfeier der GSO im Dezember 1952

 

Letztlich aber war die GSO bereits in den 1950er Jahren faktisch autonom. Seitens der Engländer wurde auch die Stellung der GSO-Offiziere, insbesondere des Einheitsführers, stets anerkannt. So kam es Ende des Jahrzehntes auch zu dem skurrilen Umstand, dass die GSO den „Gordons“ zugeschlagen wurde, die zu jener Zeit von einem britischen Captain befehligt wurden. Selbst für die Briten war es gewöhnungsbedürftig, dass sich ein Staff Superintendent, der ja im Range eines Majors stand, einem Captain unterzuordnen hatte.

Aber genau darin lag die Stärke der jungen Truppe, die sie sich bis zum Schluss bewahrt hatte. „Der Laden lief absolut sauber und störungsfrei“ und Gohl war der Kommandeur!

Ihr „festes Regiment“ fand die Einheit übrigens erst sehr viel später, nämlich im Jahr 1982.


 

Das Aushängeschild der Einheit: Die Hundestaffel kommt

 

Ebenfalls 1952 wurde eine "Hundestaffel" mit zunächst zehn Tieren, später mit bis zu 30 Vierbeinern aufgestellt. Die beeindruckenden Schutz- und Wachhunde waren sehr schnell bei allen britischen Einheiten als „Biters & Barkers“ bekannt und gefürchtet, was in etwa „Beißer und Beller“ bedeutet. Es ist nicht bekannt, wo die Hundestaffel zu ihren Anfängen im Stab organisatorisch genau angesiedelt war. Ohnehin handelte es sich um keine eigenständige Staffel, bzw. keinen eigenständigen Zug, da die Hundeführer mit ihren Tieren in den bestehenden Zügen verblieben. Umgangssprachlich blieb es jedoch bei den Begriffen "Hundestaffel", bzw. "Hundezug".

Wesentlicher Befürworter und vor allem jener, der die "Biters & Barkers" administrativ bei den Briten durchsetzte, war GSO-Chef Johannes Gohl. Er erkannte schon sehr früh, dass sich diese Truppe als ein Aushängeschild herausstellen wird; und er sollte recht behalten.

Erster Chef der Staffel wurde Foreman Gerhard Jabs, der die Gruppe aufgebaut und einige Jahre geführt hat. Sein Nachfolger wurde Ende der 1950er Jahre Foreman Heinz Radtke, nachdem Jabs zur Bundeswehr gewechselt war.

Bei dem jungen Unteroffizier handelte es sich um einen bei den britischen Behörden angesehenen GSO-Mann, der sich perfekt in englischer Sprache verständigen konnte und sich dem Hundewesen innerlich verschrieben hat. Tatsächlich sollte es so kommen, dass Radtke, der in den 1950er Jahren die Einheit auch sportlich vertrat und mehrfach gegen britische Soldaten im Kuppelsaal des Hauptquartiers boxte, die Hundestaffel bis zum Erreichen des Rentenalters im Jahr 1988 als verantwortlicher Offizier führte.

Die Hundestaffel war zu Beginn noch nicht den britischen Regularien entsprechend ausgebildet, bzw. organisiert. Formal war die Staffel zunächst einem britischen Sergeant unterstellt, der täglich in die Kaserne kam und die Aus- und Fortbilung überwachte. Dies änderte sich zu Beginn der 1960er Jahre.

 

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  Hundeausbildung auf Smuts Barracks

 

Anders als in anderen Bereichen geregelt, durften die Hundeführer ihre Tiere nach Dienstende nicht mit nach Hause nehmen. Die Hunde, die rechtlich als Waffe eingestuft waren, mussten auf dem Kasernengelände verbleiben und wurden in der dortigen Zwingeranlage untergebracht. Diese Anlage wurde durch verschiedene Hundeführer besetzt, um den täglichen Reinigungs- und Pflegediensten gerecht zu werden. Erst 1961 wurde ein zusätzlicher Dienstposten geschaffen und ein fester Kennelmaster benannt, der im Range eines Chargehand (vergleichbar mit einem Sergeant oder Feldwebel) stand.

In den späteren Jahrzehnten gehörte die Diensthundestaffel zu den erfolgreichsten im internationalen Armee- und Polizeiwesen. Sie begleitete das Bild des typischen Security Guard bis zur Auflösung der Einheit im Jahre 1994.

 

1955/1956: Streichung einer Kompanie und Abgänge zur Bundeswehr und Polizei

 

Zu jener Zeit, als sich die GSO immer rascher entwickelte und sie immer mehr Objekte zu übernehmen hatte, ereilte sie eine der tiefsten Einschnitte überhaupt: Im März 1955 wurde die German Service Organisation auf 156 Mann reduziert und eine komplette Kompanie aufgelöst. Viele Stellen der Truppe wurden einfach gestrichen oder künftig nicht mehr neu besetzt. Der Block 14, in dem die 1. Kompanie untergebracht war, wurde aufgegeben. Einzige Mannschaftsunterkunft der Einheit war nun der Block 34, in dem nicht nur die bisherige 2. Kompanie, sondern auch die verbliebene Stabsabteilung untergebracht war. Zwar wird in der späteren Zukunft die Stärke der Einheit wieder etwas hochgefahren, jedoch wird es eine 2. Kompanie in der Geschichte der GSO nie wieder geben.

1956 trat auch der Berliner Tarifvertrag zwischen der Brigade und den Zivilbeschäftigten in Kraft, um u. a. Nachteile gegenüber den Soldaten auszugleichen, vor allem bei dem nicht gewährten zollfreien Einkauf hochsteuerbarer Waren. Durch den Vertrag wurden nunmehr auch die Angehörigen der GSO offiziell als Zivilbeschäftigte eingestuft, trotz Bewaffnung und Uniformierung. Ein Umstand, der bei den meisten Angehörigen auf starkes Unverständnis stieß. Seit dem wurde die Einheit auch nicht mehr als paramilitärische Organisation bezeichnet und unterhielt erstmals einen eigenen Betriebsrat.

Staff Superintendent Johannes Gohl musste sich 1955 von vielen Weggefährten verabschieden. Die meisten Offiziere und Unteroffiziere wanderten zur neuen Bundeswehr, aber auch zum ebenfalls aufgestellten Berliner Hilfspolizeiwachdienst, dem Vorgänger des heutigen Zentralen Objektschutzes der Berliner Polizei ab. Aber auch die freie Wirtschaft lockte mit guter Bezahlung und Aufträgen. Es war die rühmliche Zeit Ludwig Erhards. Das deutsche Wirtschaftswunder griff und zog somit viele Kameraden zurück in ihre erlernten Berufe. Neben Kompanie-Chef Werner Heise verließen fast alle entscheidenden Stabs-Offiziere die Smuts-Kaserne.

Die Führungs-Crew nach diesem tiefen Einschnitt, sah daher eher mäßig aus. Neben Gohl amtierte Chief Superintendent Hans Horn als dessen Vertreter und „Leiter Guard Coy“, sowie der bisherige Zugführer Superintendent Grätz als weiterer Führungsoffizier der „ersten Stunde“ nach der abrupten Reduzierung. Gohl und Horn entwickelten sich schnell zu einem eingespielten Team und leiteten die Geschicke der Einheit noch bis zu deren Ausscheiden im Jahr 1968.

Neu im Stab war ein Mann, der auf einen der wichtigsten Posten gesetzt wurde: Foreman Wolfgang Schiller übernahm im Januar 1959 die Stelle des Diensteinteilers im Range eines Head Foreman. Der Staff setzte Vieles auf den jungen Unteroffizier, der ihn noch viele Jahre eng begleiten sollte.

So endeten die 1950er Jahre für die Einheit, die sich auf ihr 10jähriges Jubiläum vorbereitete, ausgerechnet mit den Auswirkungen ihres größten Einschnitts. Auch ständige Wechsel in der britischen Kommandostruktur hatten ihre Auswirkungen und hinderten auch die GSO-Leitung oftmals beim Durchsetzen eigener Vorhaben, weil sich Gohl immer wieder neu auf die einzelnen Kommandeure einstellen musste. 1958 erfolgte der inzwischen zweite Regimentswechsel. Die GSO wurde nunmehr dem berühmten Gordon Highlanders Infantry Regiment (1881-1994) zugeordnet und somit dem britischen Captain G. Gray unterstellt.

Bereits wenige Monate später erfolgte abermals ein Wechsel - der letzte des Jahrzezhnts. Mit der Ansiedlung an das 1716 gegründete Royal Regiment of Artillery erhielt die GSO ihr bereits viertes "Mutterschiff". Major J. Sanders wurde somit neuer Regimentskommandeur der GSO.

Jeder Kommandeur brachte, zum großen Unmut von Johannes Gohl, seine eigenen Vorstellungen und Visionen und vor allem seinen ganz persönlich Stil mit ein. Mit Major Sanders übernahm jedoch erstmals ein Offizier die Stellung des Kommandeurs, der den Einheitsangehörigen eine sehr große Akzeptanz entgegen brachte und den Dienst der GSO außerordentlich würdigte. Der Major, der bis 1961 Regiments-Chef blieb, besuchte und inspizierte die GSO regelmäßig. Noch heute berichten Zeitzeugen von beeindruckenden Begegnungen und den festen Willen, die Einheit uneingeschränkt zu fördern.

Eine moderne, neue Militärstruktur sollte nun den Weg der German Service Organisation (WS) in das neue Jahrzehnt ebnen.

 

 

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Die 1960er Jahre

 

 

Stand: 19. Januar 2017

 

Die Kameradschaft 248 German Security Unit e. V. ist seit August 2013 Vollmitglied der Royal Military Police Association und der einzige Verein, der seitens der britischen Militärpolizei als Repräsentant der ehemaligen German Security Unit und für deren geschichtliche Darstellung anerkannt wird.